MARKUS REITERBERGER – sein Werdegang.

Markus Reiterberger – ein Bayer durch und durch. Vater Tom war Sandbahn Fahrer und auch Mutter Anita war begeisterte Motorradfahrerin. Das beschauliche bayerische Örtchen Obing, in dem Reiterberger lebt, lebt für den Motorradsport. Neben Reiterberger sind hier viele erfolgreiche Rennfahrer zu Hause. Adi Stadler (früherer GP Pilot), Markus Ober (Superbike und GP Starter, Firmpate von Markus) und der viel zu früh verstorbene Ralf Waldmann (zweifacher GP Vizeweltmeister in der 250ccm Klasse) gehörten zur Nachbarschaft.

Die Rennfahrerkarriere startete Markus mit vier Jahren auf einem umgebauten Roller und später wurde es im ADAC Mini-Bike Cup und Red Bull Rookies Cup auf der Rennstrecke ernst. Im Red Bull Rookies Cup fuhr er zusammen mit den heutigen MotoGP Piloten Johann Zarco und weiteren international erfolgreichen Rennfahrern. Der Einstieg in die Internationale Deutsche Motorradmeisterschaft in der Klasse bis 125 ccm im Jahr 2008 war hier nur der Anfang. 2010 gewann er den ältesten Markencup der Welt – den Yamaha-R6-Cup – und wechselte anschließend mit Hilfe der Firma alpha Racing aus Stephanskirchen (wieder die Nachbarschaft) auf eine BMW S 1000 RR in den FIM Superstock 1000 Cup – die 1000 ccm Europameisterschaft. Mit einem dritten Platz beim Nürburgring GP 2012 feierte Reiterberger sein dahin bestes Saisonergebnis in der hart umkämpften Klasse.

IDM Superbike – der Rookie sichert sich den Titel

Mit der internationalen Erfahrung aus der STK1000 kam Markus im Jahr 2013 in die Internationale Deutsche Motorradmeisterschaft zurück. Im Team von Werner Daemen – selbst erfahrener Rennfahrer in der Supersport WM und IDM – sollte sich der junge Reiti erst einmal ganz ohne Druck auf dem BMW Superbike etablieren. Reiti setzte sich bei seinem ersten IDM Lauf also auf das über 200 PS starke Superbike vom Team Van Zon-Remeha-BMW und schnappte sich die Pole-Position – die etablierte internationale Konkurrenz war geschockt. Beim zweiten Rennlauf im belgischen Zolder schnappte er sich dann erst den Rundenrekord und dann auch gleich den ersten Sieg. Am Ende der Saison hieß der neue und zugleich jüngste internationale deutsche Superbike Meister: Markus Reiterberger.

2014

Im Jahr 2014 rüstete die Konkurrenz mit Werksmaterial auf und verwies Markus mit Fahrern aus der Weltmeisterschaft „nur“ auf Gesamtrang drei. Reiti steigerte sich in der gesamten Saison enorm und gewann die letzten Rennen der Saison. Das Team und Reiti selbst sind in diesem Jahr über sich hinaus gewachsen und konnten diesen Erfolg mit in die Saison 2015 nehmen. Markus gewann im Jahr 2015 zwölf (!) der 16 Rennen und musste sich viermal mit Platz zwei geschlagen geben. Die schlechteste Saisonleistung war ein dritter Platz in einem Qualifying. Markus dominierte die IDM, kontrollierte die international hochkarätige Konkurrenz und hatte großen Anteil am gesteigerten Medieninteresse des deutschen Motorradrennsports.

Sowohl 2013 und 2014 unternahm Markus mit seinem Team Van Zon-Remeha-BMW Wildcard Einsätze in der Superbike WM. Trotz unterlegenem Material, das er kaum testen konnte, hat er in allen Rennen beeindruckende Leistungen abgeliefert.

Nebenher nahm er für das Team Penz13 im Jahr 2014 und 2015 an der Langstrecken Weltmeisterschaft teil. In Oschersleben stellte die Mannschaft um Reiti die Superstock S 1000 RR zum ersten mal in der Geschichte auf die Pole Position – vor die etablierten Werksmannschaften der EWC-Klasse.

2016

Zusammen mit Manager Werner Daemen und BMW Motorrad, die das Potential des damals 21-jährigen erkannt haben, stieg Markus 2016 in die Superbike Weltmeisterschaft auf. Markus Reiterberger – ein Bayer auf bayerischem Motorrad – erhielt einen Vertrag über zwei Jahre im Team Althea BMW Racing in der WorldSBK.

WorldSBK – Lehrjahre sind keine Herrenjahre.

Nachdem Markus in der IDM alles erreicht und zusammen mit Werner Daemen und BMW Motorrad den Aufstieg in die Motorrad WM geschafft hat, stand er vor seiner nächsten großen Herausforderung. Die Erwartungshaltung an den jungen deutschen Überflieger waren nicht gering – am meisten sicher die von ihm selbst. Sein langjähriger Traum, in der WorldSBK an den Start zu gehen, wird Wirklichkeit. Auch wenn er schon seit 2011 mit einer S 1000 RR an den Start geht – ist das WorldSBK Motorrad eine andere Dimension. Markus bringt umfangreiche Kenntnisse mit, muss die Althea BMW aber aufs neue Kennen lernen.

Bei seinem ersten Test auf dem neuen Motorrad im Frühjahr 2016 auf dem Autodromo Vallelunga in Italien beeindruckte er mit einem neuen Rundenrekord. Gleich bei seinem ersten Rennen – dem Saisonauftakt in Australien auf Philipp-Island – verblüffte er mit einem sicher geglaubten Top-Ten Ergebnis. Ein kapitaler Reifenschaden in der letzten Kurve in der letzten Rennrunde (!) verhinderte den Einstand nach Maß für den deutschen Rookie. Im zweiten Lauf holte er seinen Erfolg mit P8 allerdings nach.

Gleich beim zweiten Saisonevent dann die Sensation. Markus Reiterberger belegt auf der für ihn vorher unbekannten Rennstrecke in Buriram/Thailand den fünften Platz und ist gleichzeitig bester BMW Pilot. Einige Wochen später liegt er in Sepang/Malaysia kurz vor Ende des ersten Rennens auf einem sicheren vierten Platz als ihn ein elektronischer Defekt zur Aufgabe zwingt. Die Saisonbestleistung wird leider nicht belohnt. Bis zu diesem Zeitpunkt ist Reiti regelmäßig in den Top-Ten, überrascht in den freien Trainings mit sehr guten Leistungen und verursacht bei der etablierten Konkurrenz große Augen.

Rückschlag – Folgenschwerer Sturz in Misano

So auch in Misano (Italien) in Runde acht der WorldSBK Saison 2016. Markus qualifiziert sich auf Rang zwei für die Superpole Session, in der die finale Startaufstellung ausgefahren wird. Im ersten Rennen belegt er Platz sechs und hatte die Hoffnung auf ein noch besseres Ergebnis im zweiten Lauf des Wochenendes. In der ersten Runde des zweiten Rennens bremst Markus den ehemailgen MotoGP Weltmeister Nicky Hayden aus und versucht näher an Ducati Werksfahrer Chaz Davies heran zu kommen. Bei diesem Versuch entstand eine Berührung der Althea BMW mit dem Ducati Werksmotorrad und Markus wurde per Highsider spektakulär durch die Luft katapultiert. Der harte Aufprall verursachte einen Kombressionsbruch zweier Brustwirbel. Glücklicherweise verheilte die Verletzung ohne Folgeschäden und Markus konnte nach einer anstrengenden Rehabilitation drei Monate nach dem Unfall zum Heimrennen auf dem Lausitzring wieder auf die Rennstrecke zurückkehren.

Doch im letzten Teil der Saison wurde die Situation komplexer. Markus und sein Team konnten nicht mehr an die guten Leistungen der ersten Saisonhälfte anknüpfen. Schlechte Wetterverhältnisse, technische Fehler und fehlendes Gefühl für das Motorrad waren nur einige Gründe weshalb es Markus nicht vergönnt war seine erste permanente WorldSBK Saison mit einem positiven Highlight abzuschliessen. Markus Reiterberger belegt nach 26 Rennen den 16. Gesamtrang der Superbike Weltmeisterschaft.

2017

Mit strukturellen Veränderungen im Althea BMW Racing Team und einer fokussierten professionellen Vorbereitung startet Markus auch 2017 wieder für Althea und BMW Motorrad Motorsport im weltweit höchsten FIM Prädikat des seriennahen Motorrad Rennsports – der FIM Superbike World Championship. Leider musste Markus nach drei Rennen der WorldSBK Saison erkennen, dass seine persönliche Weiterentwicklung gefährdet und ein positiver Entwicklungstrend nicht abzusehen war. Er entschloss sich, aus der Weltmeisterschaft auszusteigen und zusammen mit seinem Manager Werner Daemen, wieder Kraft in der Internationalen Deutschen Motorradmeisterschaft zu sammeln.

Starke Entscheidung – Reiterberger mit Neustart in der IDM

Es galt so viele Rennkilometer wie möglich zu sammeln um so wieder Vertrauen zum Einsatzmotorrad zu finden und einen neuen Anlauf für einen konkurrenzfähigen WorldSBK Einstieg zu starten. Neben der IDM startete Markus auch in der Langstreckenweltmeisterschaft (EWC) für das Team LRP Poland. Die Saison 2017 sollte denkwürdig werden.

Reiterberger sicherte sich in der IDM alle Pole Positions und gewann überlegen 13 von 14 Superbike Rennen. Nur Teamkollege Danny de Boer schnappte ihm beim Saisonauftakt auf dem Nürburgring den Sieg vor der Nase weg, als er auf Regennasser Strecke in der letzten Kurve ein riskantes Überholmanöver gewann. Reiterbergers schlechtestes Resultat – Platz zwei.

Der Saisonhöhepunkt des Jahres 2017 spielte sich in der Lausitz ab. Die WorldSBK war zu Gast in Deutschland, und die IDM nahm als Rahmenserie an der Veranstaltung teil. Reiterberger und sein Van Zon-Remeha-BMW Team gingen als Doppelstarter ins Rennwochenende. Eine Wildcard in der Weltmeisterschaft mit einem eigens aufgebauten Superbike und die beiden Rennen der Internationalen Deutschen Motorradmeisterschaft.

Im WorldSBK Feld fuhr Reiterberger im ersten Rennen des Wochenendes auf Position 13, im zweiten Lauf sogar auf Position 9 – in Schlagdistanz mit der Weltelite und nur 2 Sekunden hinter Tom Sykes auf Position vier. Der Beweis, dass so kurzfristig mit effizientem Teamwork achtbare Ergebnisse in der WM möglich sind. Die beiden IDM Rennen gewann Reiterberger überlegen und so sicherte sich der 23-jährige seinen dritten IDM Superbike Titel vorzeitig. Über 300 Runden spulte das Team um Reiti an diesem Wochenende ab. Dauerbelastung für Mensch und Maschine.

Zum Ende der Saison stand fest – Reiterberger muss aufsteigen. Mit dem Ziel in die Weltmeisterschaft zurück zu kehren, sollte ein Zwischenschritt eingelegt werden. Die Superstock 1000 Europameisterschaft, die im Rahmen der WorldSBK ausgetragen wurde. Um die ersten Erfahrungen in der hart umkämpften Meisterschaft zu sammeln, entschied man sich zu einem Wildcard Einsatz beim Saisonfinale 2017 in Jerez. Reiterberger deklassierte die internationale Konkurrenz mit der Pole Position, der schnellsten Rennrunde und dem Sieg. Eine gute Ausgangsbasis für die kommende Saison 2018.

2018

Intermediate Step – FIM Superstock 1000 European Championship 2018

Das neu strukturierte Team alpha Racing-Van Zon-BMW, unter Leitung von Werner Daemen, startete in der Superstock 1000 Europameisterschaft. Markus Reiterberger bekam die Chance, seine Performance auf internationaler Ebene zu beweisen.

Über die Saison nahmen 33 Piloten an der Superstock 1000 Europameisterschaft teil. Reiterberger beendete die Saison mit 156 Punkten und 14 Punkten Vorsprung auf den zweitplatzierten Roberto Tamburini (BMW). Der 24-jährige Bayer stand in acht Rennen sechsmal auf dem Podium. Nur in Imola und Brünn verfehlte er das Treppchen. Vier Siege und fünf Pole Positions sind die glänzende Ausbeute des Bayern in der finalen Saison der FIM Superstock 1000 Europameisterschaft. Während der acht Rennveranstaltungen stellte Markus Reiterberger mit seiner BMW S1000 RR zwölf (!) neue Rekorde auf. Seine Dominanz wird auch in der Statistik der Führungsrunden deutlich. Der Bayer belegt Platz 1 mit 54 Führungsrunden vor Maximilian Scheib mit 24 Führungsrunden. Während der gesamten Saison verzeichnete die BMW S 1000 RR #28 keinen technischen Ausfall und sah immer die Zielflagge.

Es ist bereits der vierte internationaler Titel von Markus Reiterberger zusammen mit dem Team alpha Racing-Van Zon-BMW von Teamchef Werner Daemen. Seit 2012 verzeichnet das in Belgien stationierte Team den siebten internationalen Titel. Der Titel in der Markenmeisterschaft geht mit 185 Punkten an BMW Motorrad

Die Rekorde der Saison 2018 in der FIM Superstock 1000 Europameisterschaft.

Markus Reiterberger | Team alpha Racing-Van Zon-BMW

 

STK1000 Misano (ITA)- New Race Fastest Lap Record 1’36.474

STK1000 Misano (ITA)- New Pole Record 1’36.122

STK1000 Misano (ITA) – New Circuit Record 1’36.075

STK1000 Brünn (CZ)- New Pole Record 2’00.855

STK1000 Brünn (CZ) – New Circuit Record 2’00.855

STK1000 Donington Park (UK) – New Pole Record 1’29.089

STK1000 Donington Park (UK) – New Circuit Record 1’29.089

STK1000 Donington (UK) – New Race Fastest Lap Record 1’29.209

STK1000 Assen (NL) – New Pole Record 1’36.456

STK1000 Assen (NL)- New Circuit Record 1’36.431

STK1000 Assen (NL)- New Race Fastest Lap Record 1’36.594

STK1000 Aragon (ESP) – New Race Fastest Lap Record 1’52.188

 

2019 – BMW Motorrad WorldSBK Team

Mit der neuen BMW S 1000 RR (K67) kehrt Markus Reiterberger wieder in die Superbike Weltmeisterschaft zurück. Im Team von Shaun Muir (BMW Motorrad WorldSBK Team) geht „Reiti“ neben seinem neuen Teamkollegen Tom Sykes (GBR) – dem ehemaligen Superbike Weltmeister von 2013 – geht Markus erneut in der höchsten Klasse des seriennahen Motorradsports an den Starting Grid.