Die WorldSBK ist das erklärte Ziel von Markus Reiterberger. Nachdem er in der WorldSBK Saison 2016 einige Highlight setzen konnte, musste er unter anderem durch eine schwere Verletzung Rückschläge einstecken. Nach drei WorldSBK Rennen für Althea BMW Racing in der WorldSBK Saison 2017, wechselte der 23-jährige zurück ins IDM Team von Werner Daemen. Die jüngsten Erfolge in der IDM sprechen für sich – hatte sich Reiterberger am Lausitzring auch vorzeitig mit einem weiteren Doppelsieg zum IDM Champion gekürt. Nun wollte Reiti auch zeigen, was mit einem selbst aufgebauten WM Motorrad möglich ist. Ganz unter dem Motto „Teamwork makes the dream work“.

WorldSBK Free Practice 1

Vor dem ersten Fahrtag hatte es nachts noch geregnet, aber das erste freie Training begann bei 25°C und trockener Strecke. Markus lieferte in 19 Runden eine 1’37.962 min Rundenzeit ab und belegt den sechsten Rang. Als bester BMW Motorrad Pilot hat er nur einen Abstand von 0.625 Sekunden auf den Führenden des Session – Ex-Weltmeister Tom Sykes.

FP1 | P6 | 1:37.962 min (+0,625)

WorldSBK Free Practice 2

Markus startete unter trockenen Bedingungen in die zweite Session der freien Trainings. Nach den ersten Runden wurden Anpassungen am Fahrwerk seiner S 1000 RR vorgenommen, die das erst plötzlich aufgetretene Chattering bei der Kurveneinfahrt reduzieren sollten. Laut Regenradar hatte Markus nach der Umbau-Phase noch circa fünf Runden, bis ein angekündigter Regenschauer die Zeitenjagt beenden würde. In Minute 25 verursachte Yamaha Pilot Alex Lowes aufgrund eines Motorschadens eine Ölspur auf der Strecke und die rote Flagge unterbrach das freie Training. Während der Unterbrechung setzte der Regen ein und aus dem erwarteten Schauer wurde ein Wolkenbruch, der die Session um fast eine Stunde unterbrechen sollte. Seine persönliche Bestzeit aus dem ersten Training konnte Markus nach dem Restart unter diesen Bedingungen nicht mehr unterbieten und qualifiziert sich mit einer Rundenzeit von 1:37.962 min auf Gesamtplatz sieben direkt für die Superpole 2. Eine Startposition für Rennen 1 unter den ersten 12 war somit gesichert. Ein gutes Ergebnis für IDM Mannschaft Van Zon-Remeha-BMW.

FP2 | P6 | 1’38.256 min (+1.084)

Kombiniertes Ergebnis aus FP1 und FP2 1:37.962 (+0.790)

WorldSBK Free Practice 3

Das dritte freie Training, welches nicht relevant für die Qualifikation ist, beendete Markus auf dem 10. Platz. Um das im FP2 aufgetretene Chattering zu beseitigen, baute seine Crew kurzerhand die Vorderradgabel seines IDM Motorrades ein. Mit dieser Veränderung lag er zwischenzeitlich sogar auf P2, konnte seine Zeit allerdings nicht weiter verbessern. P10 ist für Teamchef Werner Daemen eine gute Leistung. Grundsätzlich sei zu erwarten, dass vor allem die Werksmaschinen am zweiten Trainingstag durch Anpassungen an der Elektronik einen großen Schritt machen.

FP3 | P10 | 1’38.775 min (+1.277)

18.-20.08.2017 WorldSBK PROSECCO DOC German Round, Lausitzring

WorldSBK Superpole 2

Die Superpole Session begann für Markus mit Rennreifen auf P8, bis auf spezielle Qualifyer Reifen umgestiegen wurde. Mit einer 1:37.243 belegte er die 10. Position für die Startaufstellung. Ein nicht ganz zufriedener Markus Reiterberger hätte in der 15 minütigen Session gerne mehr raus geholt, dennoch eine mehr als respektable Vorstellung des Obingers.

SP2 | P10 | 1’37.243 min (+1.122)

WorldSBK Rennen 1

Das erste Highlight des Wochenendes, auf das sich Markus sehr intensiv vorbereitet hatte, stand an. 21 Runden auf der 4,265 km langen WorldSBK Variante des Lausitzring. Er erwischte, von P10 ausgehend, einen guten Start und kam auf Rang neun aus der ersten Runde, verbesserte sich in Runde drei sogar auf Platz acht. Mit leichtem Abstand zu Leon Camier nach vorne und Xavi Fores nach hinten zog Reiti konstante Rundenzeiten und schloss Stück für Stück auf seinen Vordermann auf.  In Runde 13, in der sehr mit Bodenwellen gespickten Anbremszone zu Kurve 10 in der um vier Gänge zurück geschaltet werden muss, erwischte Markus ungewollt den Leerlauf seiner BMW und musste dadurch einen weiten Bogen fahren. Mit einem kurzen Abstecher ins Kiesbett konnte er auf Position zwölf weiter fahren.

Mit Wut im Bauch und 1:38er Rundenzeiten schloss er wieder auf Vordermann Michael van der Mark auf und konnte in Runde 16 an ihm vorbei gehen. Reiterberger auf P11 und noch 5 Runden zu fahren. In Runde 19 passierte dem Lausitzring-Spezialisten dann erneut ein Schaltfehler, wieder in Kurve 10, dank dem er auf P13 durchgereicht wurde. Am Ende blieb es beim 13. Platz – nicht das erhoffte Resultat, dass sich der 23jährige vorgestellt hatte. Aber die Rundenzeiten belegten die gute Leistung und stimmten das Team positiv auf den zweiten Rennlauf der WorldSBK am Sonntag.

Rennen 1 | P13 | Best lap 1:38.184 min | Top Speed 282 km/h

18.-20.08.2017 WorldSBK PROSECCO DOC German Round, Lausitzring Foto: Wiessmann

WorldSBK Rennen 2

Das morgendliche Warm Up hat Reiti wieder ein Lachen ins Gesicht gebracht. Mit P7 und einer Rundenzeit von 1:37.351 min (+0.783) war er mit Rennreifen auf Anhieb fast eine Sekunde schneller als in seiner besten Runde des ersten Rennens. Die Anpassungen an der Geometrie seiner S 1000 RR hatte Wirkung gezeigt.

Für das zweite Rennen hat sich Markus viel vorgenommen. Eine technische Änderung sollte ein Verschalten, wie es im ersten Rennen vorgekommen ist, vorbeugen. Markus kam gut von Startposition 11 weg, büßte aber in der ersten Kurve eine Position ein. Hinter Aprilia Pilot Leandro Mercado kam er nicht direkt vorbei und verlor dadurch etwas den Anschluss an die Gruppe vor ihm. In der zweiten Runde gelang ihm das Überholmanöver und die Aufholjagd auf seinen ehemaligen Teamkollegen Jordi Torres konnte beginnen. Ohne direkten Windschatten war es schwer auf Torres aufzuschliessen, aber die sieben Fahrer vor ihm waren immer wieder in Positionskämpfe verwickelt, was die gesamte Gruppe leicht einbremste. Aprilia Werksfahrer Eugene Laverty stürzte und Markus erbte die zehnte Position, bevor er in Runde zehn am Spanier Xavi Fores vorbei gehen konnte. Reiti klebte ab diesem Zeitpunkt auch am Hinterrad von Jordi Torres, bis er in der 15. Runde einen kleinen Fehler machte und in der Kurve eine weite Linie nehmen musste. Den entstandenen Abstand von knapp einer Sekunde konnte Markus nicht mehr aufholen und überquerte die Ziellinie nach 21 Runden als hervorragender Neunter. Eine herausragende Performance von Markus Reiterberger und seinem Van Zon-Remeha-BMW Team, was in der Analyse noch deutlicher wird. Die Gruppe um Sykes, Lowes, Camier, Savadori und Torres fuhr ein fehlerfreies Rennen. Markus fuhr konstant schnelle Rundenzeiten, die auf dem Niveau von Kawasaki Werksfahrer Tom Sykes lagen. Ein kleiner Fehler mit dem Verlassen der Ideallinie machte den ausschlaggebenden Unterschied.

Ein mehr als erfolgreicher Auftritt in der WorldSBK für den 23-jährigen BMW Motorrad Piloten.

Rennen 2 | P9 | Best lap 1:37.640 min | Top speed 279,1 km/h | Leader gap 20.355

18.-20.08.2017 WorldSBK PROSECCO DOC German Round, Lausitzring Foto: Wiessmann

Markus Reiterberger:

„Ich bin einfach happy nach dem zweiten Rennen. Mit meinem ersten Rennlauf in der WM war ich durch meine zwei Fehler beim Schalten unzufrieden. Die Anbremszone ist brutal wellig und man muss vier Gänge runter. Dabei bin ich in den Leerlauf gekommen – zwei mal. Echt ärgerlich, P8 wäre vielleicht drin gewesen. Mit der Änderung fürs zweite Rennen passierte das dann zum Glück nicht mehr. Platz Neun ist toll, aber noch mehr macht es mich stolz, dass ich die Pace für die Top 5 gefahren bin. Um da aber mitzuhalten muss am Wochenende einfach alles passen. Das fängt bei der Startposition an – da hätten wir mit etwas mehr Glück beide Rennen noch besser abgeschnitten. Wenn man bedenkt, dass wir das Motorrad sehr kurzfristig aufgebaut haben und nur wenig testen konnten, können wir alle stolz auf das Ergebnis sein. Wir haben viel IDM Know-How eingesetzt und ab Samstag bin ich sogar mit der IDM Gabel gefahren. Das Moped war sau guad!“

Mit dem Wildcard Einsatz hat Reiterberger mit seinem Team zehn WM Punkte aus zwei Superbike Rennen gesammelt. Ein erfolgreicher Besuch in der WorldSBK auf dem Lausitzring für das Team Van Zon-Remeha-BMW.